GESCHICHTE
ERINNERUNGEN AN FRÜHERE ZEITEN, SPRÜNGE UND SIEGEVon den ersten Sprüngen bis zu internationalen Grossanlässen erzählt die Geschichte der Nordic Arena Kandersteg von Leidenschaft, Teamgeist und grossen Momenten.
Bau der Mattenschanzen 1978
Durch den Bau der Umfahrungsstrasse zum Autoverlad wurde die Nutzung der Lötschbergschanze beim Bahnhof unmöglich. Aus diesem Grund bewarb sich der Skiclub mit dem Projekt der Mattenschanze beim Schweizer Skiverband SSV. Willy Sahli und Adolf Ogi engagierten sich intensiv für die Realisierung. 1977 genehmigte der SSV-Vorstand drei Mattenschanzen und beschloss den Bau einer nationalen Sprungschanzenanlage. Am 4. September 1978 konnte mit dem Bau begonnen und innerhalb nur eines Jahres das Nationale Nordische Skizentrum durch die neugegründete Genossenschaft NNSK verwirklicht werden. Die Gesamtkosten der Anlage betrugen damals CHF 2.4 Mio.
Eröffnung der Mattenschanzen 1979
Am 2. September 1979 wurde die Skisprunganlage mit einem internationalen Mattenskispringen feierlich eröffnet – mit der kompletten Weltelite am Start. Die Schweiz konnte damals voller Stolz auf Athleten wie Hansjörg Sumi, Christian Hauswirth und Karl Lustenberger blicken. Ab dem Winter 1981/82 standen die Schanzen auch für Wintertrainings bereit. Im folgenden Jahrzehnt nutzten zahlreiche Spitzensportler wie Toni Innauer, Andreas Felder, Jens Weissflog und Matti Nykänen die Anlage intensiv für Trainings und lieferten sich spannende Wettkämpfe auf der damals modernsten Sommerschanzenanlage der Welt.
Umbau der Anlage 1990
1990 wurde die Anlage an die damals gültigen FIS-Vorschriften angepasst: Der Anlauf erhielt leichte Profilkorrekturen, der Hang der K90-Schanze wurde abgeflacht und die Eisanlaufspur durch eine moderne Keramikspur ersetzt. Nach Abschluss der Sanierungsarbeiten wurde die Anlage 1991 mit einem internationalen Sommerskispringen erfolgreich wiedereröffnet.
Wiederaufbau der Genossenschaft 2003
Nach einer längeren Phase personeller Herausforderungen übernahm Robert Rathmayr im Herbst 2003 das Präsidium und leitete das NNSK in eine neue Ära. Mit frischem Elan und klarem Fokus setzte sich der Verwaltungsrat dafür ein, den Trainingsbetrieb wieder reibungslos sicherzustellen und einen festen Wettkampfrhythmus zu etablieren. Bereits am 1. August 2003 wurden die Schweizer Meisterschaften im Skispringen und der Nordischen Kombination erstmals als Sommer-Event erfolgreich durchgeführt. 2004 und 2006 folgte jeweils ein Sommer-Grand-Prix in der Nordischen Kombination. Bis 2007 organisierte das NNSK in Zusammenarbeit mit dem Skiclub Kandersteg jährlich Wettkämpfe im Skispringen und der Nordischen Kombination.
Schliessung der Schanzenanlage und erste Lösungen 2008
Im Sommer 2008 wurde die Anlage geschlossen, weil die K90-Schanze nicht mehr den FIS-Vorschriften entsprach. Nachdem bereits 2005 das Projekt «NNSK2010» lanciert wurde, entschied man an der 29. Generalversammlung im November 2007, die gesamte Anlage umfassend zu erneuern. Der Umbau aller drei Schanzen, die Erneuerung des Mattenbelags, Profilkorrekturen und der Neubau des Betriebsgebäudes waren Teil des Konzepts. Ein namhaftes Patronat unterstützte fortan die Projektleitung. Am 27. November 2009 genehmigte die Kandersteger Bevölkerung an der Gemeindeversammlung einen finanziellen Beitrag von CHF 1.2 Mio. – der erste und wichtigste Meilenstein für die Umsetzung.
Neubauprojekt «NNSK2010»
Ab März 2010 nahm die Gesamtplanung konkrete Formen an: Das Schanzengelände wurde vermessen, Baupläne für die Schanzen und das Betriebsgebäude erstellt, Projektunterlagen ausgearbeitet, neue Anlaufspursysteme geprüft und erste Vertragsverhandlungen über den Landkauf geführt. Im Frühling 2013 war die vollständige Projektfinanzierung gesichert. Die Projektierungsarbeiten liefen fortan auf Hochtouren, sodass im Frühling 2014 mit der Sanierung der Zufahrtsstrasse begonnen werden konnte. Der Neubau der Schanzenanlage konnte im Mai 2015 in Angriff genommen und im Juni 2016 abgeschlossen. Details zum Projektverlauf finden sich im «Statusbericht NNSK2010».
Eröffnung Nordic Arena 2016
Nach zweijähriger Bauzeit wurde die Nordic Arena am 31. Juli und 1. August 2016 feierlich eröffnet. Den sportlichen Auftakt bildete die Helvetia Nordic Trophy, bei der junge Skispringer:innen und Nordisch Kombinierer:innen ihr Können auf den Schanzen HS 27 und HS 72 unter Beweis stellten. Die Eröffnungsfeier am 1. August wurde zu einem echten Highlight: Zahlreiche Weltcupspringer wie Simon Ammann, Gregor Deschwanden, Michael Hayböck, Stefan Kraft, Andreas Wank und Tom Hilde – der das hochkarätige Eröffnungsspringen am Ende gewann – verliehen dem Anlass internationale Strahlkraft.
Anpassungen Blümlisalpschanze 2017
Im Frühjahr 2017 wurden Russland die FIS Nordischen Junioren-Weltmeisterschaften entzogen. Im Mai desselben Jahres vergab die FIS die Austragung neu an Kandersteg (Skisprung und Nordische Kombination) und Goms (Langlauf). Diese Zusage hatte zur Folge, dass die Nordic Arena gezielt erweitert werden musste: Die HS 72 erhielt eine neue, wintertaugliche Eiskeramik-Anlaufspur und durch Profilkorrekturen wuchs die Blümlisalpschanze auf HS 74. Auch die Treppen entlang der Ausläufe der HS 106 und HS 74 wurden erweitert. Ein besonderes Highlight war das neue Wärmehaus bei der Bergstation – ein Geschenk des Gewerbevereins Kandersteg.
FIS Nordische Junioren WM 2018
Dem OK der Junioren-Weltmeisterschaften blieben nur rund neun Monate für die Organisation des Grossanlasses – eine echte Herausforderung. Am 29. Januar 2018 wurden die Titelkämpfe mit einer feierlichen Eröffnung auf dem Schulhausplatz in Kandersteg offiziell eröffnet. In den darauffolgenden sechs Tagen fanden neun Wettkämpfe im Skispringen und der Nordischen Kombination statt. Erstmals wurde ein Damenwettkampf in der Nordischen Kombination ausgetragen – als wegweisender Testlauf auf internationaler Ebene. Das Teilnehmerfeld war hochkarätig besetzt: Zahlreiche Athlet:innen hatten bereits Weltcup-Erfahrung, darunter Sandro Hauswirth, Dominik Peter, Ondřej Pažout, die Oftebro-Brüder, Nika Kriznar und Marius Lindvik.
Ein Jahrzehnt voller Höhenflüge
Seit der Wiedereröffnung hat sich die Nordic Arena als feste Grösse im internationalen Wettkampfkalender etabliert. 2019 fanden mit den O.P.A.-Games erneut packende Titelkämpfe mit 200 Teilnehmenden statt. Im selben Jahr wurde die Nordic Arena um eine vierte Schanze erweitert. Die Animationsschanze mit einer Grösse von HS 12 ermöglicht skisprungbegeisterten Kindern den idealen Einstieg in die Sportart. Es folgten mehrere Schweizer Meisterschaften, Alpencups, FIS Cups zum Auftakt der Wintersaison, Wettkämpfe der Masters sowie regelmässige Wettkämpfe im Rahmen der Schweizer Nachwuchsserie «Swiss Nordic Trophy». Auch Olympiasieger wie Gregor Schlierenzauer oder Johannes Rydzek nutzten die Anlage schon für Trainings. Die Nordic Arena bleibt in Bewegung – im Sommer 2026 feiert sie bereits ihr 10-jähriges Jubiläum. Ein Jahrzehnt voller Nachwuchsförderung, Spitzensport und unvergesslicher Momente.